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CTTC Turniere / Schach Erleben
1. Frankfurter Chess960 Stadtmeisterschaft im B9
Ein ausführlicher Rückblick, etwas Geschichte und was ist eigentlich ein B9?
19.12.2010 - Recht klein aber sehr fein, so könnte das Fazit für die hessische Premiere der Frankfurter Chess960 Stadtmeisterschaft lauten. An jedem der fünf Montagabende im November wurde eine Runde des Schachs gespielt, was einst Weltmeister Robert James Fischer erdachte, um der „Theorielastigkeit“ des traditionellen Schachs entgegen zu wirken. Veranstalter des Turniers war der hessische Bezirk 5 (Frankfurt) mit seinem Vorsitzenden Thorsten Ostermeier und Turnierleiter Hans-Dieter Post, welche mit 1.000,- Euro aus der Verbandskasse und zahlreichen Sachpreisen und Urkunden einen stattlichen Preisfonds bereitstellten. Ausgetragen wurde das fünfrundige Turnier im Chess Tigers Training Center, zu welchem im Laufe dieses Berichts noch genauere Informationen folgen. Gespielt wurde im Schweizer System und mit einer Bedenkzeit von 90 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug. Die jeweilige Startposition wurde unmittelbar vor jeder Runde ermittelt, so dass für alle 20 Teilnehmer die gleichen Bedingungen herrschten. Natürlich ist die Teilnehmerzahl nicht sonderlich beeindruckend, doch für eine Premiere war dies ein sehr guter Start – auch, um herauszufinden, was man für die zweite Auflage noch verbessern kann. Insgesamt fünf Titelträger hatten gemeldet, und es bestand kein berechtigter Zweifel daran, dass einer von Ihnen letztlich das Rennen machen würde. Klar war bei der geringen Rundenzahl auch: Wer verliert ist so gut wie aus dem Titelrennen. Doch bevor ich Ihnen von Siegern und Besiegten berichte, möchte ich besonders all jenen von Ihnen, die noch gar keinen Kontakt mit Chess960 hatten, etwas Wissen über das „neue Schach“ mit auf den Weg geben.

FM Igor Zuyev gewinnt mit Glück, Geschick
und einem (un)toten Turm


Etwas Chess960 Geschichte
Seit rund 10 Jahren fördern die Chess Tigers und in vorderster Front ihr Vorsitzender Hans-Walter Schmitt das Chess960, bauten es in die weltweit bekannte Chess Classic Mainz ein und richteten in diesem Zeitraum beispielsweise auch zahlreiche Weltmeisterschaften aus. Die aktuellen Champions tragen so klangvolle Namen wie Hikaru Nakamura und Alexandra Kosteniuk. Ersterer konnte 2009 keinen geringeren als den frischgebackenen 2800er Levon Aronian vom Thron stoßen. Interessanterweise scheinen die Weltklassespieler und die breite Masse an Meisterspielern weniger Berührungsängste mit Chess960 zu haben, als die Amateure, die sich ihr Theoriewissen teils mühsam erarbeitet haben und sich nun schwerer tun, darauf zu verzichten. Mehrfach wurde kolportiert, „Chess960-Schmitt“ wolle das traditionelle Schach quasi abschaffen, was jedoch ebenso abwegig wie unmöglich ist. Bobby Fischer und er haben lediglich eine Alternative geschaffen, die den Spieler zum Architekten eigener Eröffnungen macht und unter Berücksichtigung der Regeln des „normalen“ Schachs eine Alternative für all jene darstellt, die keine Zeit oder Lust haben, Theorie zu pauken.

Hans-Walter Schmitt und Chess960 Weltmeister Hikaru Nakamura

Allzu oft wird Chess960 abfällig mit Shuffle Chess in einen Topf geworfen, dabei sind die Unterschiede gravierend. Beim Chess960 wird zwar die Grundposition der Figuren ausgelost, aber man hat immer einen weiß- und einen schwarzfeldrigen Läufer, und der König muss stets zwischen den Türmen stehen. Beim Shuffle Chess sind zwei gleichfarbige Läufer möglich, und die Rochade wurde ganz abgeschafft. Die Regeln des Chess960 erlauben, die uns bekannte Grundposition des traditionellen Schachs in die 960 möglichen Stellungen einzubeziehen. Jede Stellung hat ihre eigene Nummer, und die einst von Schachfreund Reinhard Scharnagl erstellte Liste der Startpositionen versah die bekannteste Chess960-Stellung mit der Nummer 518, weshalb unter Kennern das traditionelle Schach gerne auch „518er-Schach“ genannt wird.

Wenn man beim Chess960 überhaupt von einem „Problem“ sprechen kann, dann ist es die sicherlich gewöhnungsbedürftige Ausführung der beiden Rochaden. Dadurch, dass der König nun von b bis g auf jedem Feld stehen kann, passen die Bezeichnungen „kurz“ und „lang“ nicht mehr, und so sprechen wir entsprechend dem Ausgangsfeld des Königs stattdessen von der g- und c-Rochade. Es gibt in diesem Sinne auch keinen Damen- oder Königsflügel mehr, sondern den a- und h-Flügel. Die zehnjährige Praxis von Chess960 hat jedoch gezeigt, dass sich die Spieler schnell auf die neuen Umstände einstellen, heuer gibt es in einigen Ländern wie den Niederlanden, der Schweiz und der Tschechei sogar schon nationale Meisterschaften, wobei (noch) in Schnellschach-Modi gespielt wird. Mittlerweile hat auch der Weltschachverband FIDE reagiert und Chess960 in das offizielle Regelwerk aufgenommen.

Manche Schachspieler befürchten, sie könnten sich bei Turnieren ihre wertvolle Ratingzahl ruinieren, doch das ist völlig ausgeschlossen. Chess960-Turniere werden zwar durch die Chess Tigers ausgewertet, doch statt die normale Rating zu verändern, wurde eine neue – die IPS (Individual Players Strenght) – eingeführt, die übrigens auch ihre eigene Weltrangliste hat. Im Vergleich zur ELO gibt es bei der IPS derzeit sogar vier Spieler über 2800. Angeführt wird die Weltrangliste von Gata Kamsky (2828), gefolgt von Weltmeister Hikaru Nakamura (2826), Vassily Ivanchuk (2818) und dem Weltmeister im traditionellen Schach Viswanathan Anand (2815). Doch kommen wir nun zum Grund dieses Artikels – dem Bericht über die 1. Frankfurter Chess960 Stadtmeisterschaft.


Das Turnier – Runde 1
Insgesamt sollte aus allen 50 Begegnungen nur lächerliche 4 unentschieden enden, was bezeugt, dass jeder Einzelne nach Kräften kämpfte. Zwei Partien stachen aus der Auftaktrunde besonders hervor. Da war einmal die Begegnung zwischen Thorsten Ostermeier und FM Tilmann Vogler, die letzterer nach einem sehr zweischneidigen Damenopfer in einem aufregenden Endspiel noch glücklich für sich entscheiden konnte. In der zweiten Partie kann man schwer sagen, wer am Ende der Glücklichere oder Zufriedenere war, denn der Bad Sodener Gerolf Dietz hatte FM Igor Zuyev aus der Eröffnung(!) heraus klar überspielt, ließ aber in völliger Gewinnstellung den Sieg aus. Selbst in der Schlussstellung hatte Dietz zumindest einen Bauern mehr, doch ihm fehlte das letzte Bisschen Schneid, um auf Gewinn zu spielen und so bot er seinem Gegner das Remis an, welches dieser schweren Herzens annehmen musste. Es schien, als hätte sich der erste Titelträger im Kampf um den Turniersieg bereits verabschiedet.

Gerolf Dietz

Igor Zuyev 2265 – Gerolf Dietz 1865
1. Frankfurter Chess960 SM (1), Bad Soden 2010 - SP 363

1.Sf3 d5 2.d4 Lb5 3.b3?! Dieser Plan mit künstlicher Rochade scheint fragwürdig, zumal man so auch dem Eckspringer sein natürliches Entwicklungsfeld nimmt. 3...e6 4.Kb2 Sb6 5.g4 Sf6 6.Se5 g6 7.a4 La6 8.f4 Sfd7 9.g5 c5 10.a5 Sa8 11.c3 Sc7 12.Sc2 Lxe5 13.dxe5 h5 14.c4? Ohne Not verschenkt Weiß einen Bauern. 14...dxc4 15.bxc4 Lxc4 16.Se3 La6 17.Ka2 De7 18.Le4 0–0! Während der schwarze König absolut sicher steht, geht es dem weißen in der Folge an den Kragen. 19.Df3 b6 20.Lc6 Tfd8 21.Tb3 c4 22.Tbb1 Sc5 23.Txd8+ Dxd8 24.Td1 Dc8 25.Lb4 Lb5 26.Lxc5 bxc5 27.Lxb5 Sxb5 28.Sxc4 Sd4 29.Da3 Dc6 30.Tb1

Weiß wandelt am Abgrund, man muss ihm nur noch einen kleinen Schubs geben. 30...Sb5?

Mit 30...Txb1! ließ sich ein verdienter Sieg einfahren. Nach 31.Kxb1 De4+

31...Sxe2 ist auch gut.

32.Dd3

32.Ka2 Dc2+ -+

32...Dh1+ 33.Kb2 Dxh2-+ frisst Schwarz dem Anziehenden nach und nach die meisten Bauern weg.

In der Partie folgte noch 31.Dd3 Dc7 32.a6 Dc8 33.Tb3 Dxa6+ 34.Kb2 Dc8 35.Ka1 a6 36.e3 Dc7 37.De4 Td8 -/+ und trotz sehr guter Gewinnchancen, begnügte sich Schwarz hier gegen den 400 Punkte stärkeren Gegner mit einem Remis. ½–½


Runde 2
Der zweite Umlauf brachte keine Überraschung hervor. Es siegten die Favoriten – teils sehr souverän, und es sollte die erste aber nicht letzte Runde sein, in welcher keine Partie mit einem Remis endete. Mit IM Erik Zude, IM Stefan Reschke, IM Stefan Solonar und FM Tilmann Vogler hatten sich die Favoriten wie erwartet mit 2 aus 2 an die Spitze gesetzt, doch schon in der dritten Runde sollten auch die ersten hochkarätigen Köpfe rollen.


Runde 3
Endlich kam es zum Aufeinandertreffen der Giganten an den Spitzenbrettern, und das Blut floss in Strömen. Während Solonar gegen Reschke durchaus Glück und die Zeitnot seines Gegners benötigte, um zu gewinnen, erlegte Zude seinen Gegenüber Vogler im Opferangriff. Als objektiver Beobachter wählte GM Klaus Bischoff diese Begegnung zur Partie des Turniers, doch sehen Sie selbst:

IM Erik Zude gegen FM Tilmann Vogler

Erik Zude 2384 – Tilmann Vogler 2242
1. Frankfurter Chess960 SM (3), Bad Soden 2010 - SP 684

1.c4 e5 2.b3 f6 3.Se3 a5 4.Sf3 Se6 5.Sd5 a4 6.Dc3 Sd6 7.h3 La7 8.e3 b5 9.Lh2 axb3 10.axb3 Sc5 11.0–0 Lxd5 12.cxd5 Dxd5 13.b4 Sa4 14.Da1 e4 15.La2 Dd3 16.Sg5 fxg5 17.Dxg7 0–0–0 18.De5 Kb8

19.Txc7!! Das gewinnt die Partie im großen Stil. Allerdings gab es auch keine gute Alternative.

19.Lb1?, um die Dame zu fangen, scheitert an 19...Dxd2 20.Tfd1 Db2! -/+ Schwarz erzwingt den Damentausch, und daran tut er gut, wie die Alternative beweist.

20...Dxb4? hat nämlich 21.Txd6!± zur Folge, da 21...cxd6?? an 22.Dd5+- scheitert, wonach Lxe4 nebst tödlichen Drohungen nicht mehr vernünftig bekämpft werden kann.

In der Partie folgte 19...Kxc7

19...Lb6 20.Tcc1!+-

20.Ld5! Weiß klemmt die schwarze Dame von d6 ab. 20...Tdf8 21.Tc1+ Der schnellste Weg zum Sieg.

Aber 21.Dxd6+ hätte nach beispielsweise 21...Kd8 22.Dc7+ Ke7 23.De5+ Kd8 24.Dxg5+ Kc8 25.Tc1+ +- natürlich auch gewonnen.

In der Partie gab Schwarz nach 21...Kd8 22.Dxg5+ Ke8 23.Lxd6 auf. 1–0

Somit waren nur noch IM Zude und IM Solonar verlustpunktfrei.


Runde 4
In der vierten Runde sollten endgültig wichtige Vorentscheidungen um den Turniersieg fallen. Im Spitzenduell zwischen Zude und Solonar erwischte Ersterer als Schwarzspieler einen rabenschwarzen Tag und wählte schon in der Eröffnung einen fragwürdigen Plan. Davon erholte sich der Frankfurter, der in der 2. Bundesliga zusammen mit seinem Bruder Arno für den SV Hofheim spielt, nicht mehr und verlor sang- und klanglos. Leider kam die zweite Spitzenpaarung zwischen Zuyev und Reschke nicht zustande, denn Letzterer musste aus gesundheitlichen Gründen passen und seinem Gegner kampflos den Sieg überlassen. Und da war sie plötzlich, die goldene Chance auf den Titel für Igor Zuyev. Mit einem glücklichen Remis zum Auftakt gestartet und danach auch nicht immer richtig sattelfest hatte sich der Heusenstammer quasi ins Finale gegen seinen Vereinskollegen Solonar gespielt. Letzterer benötigte zwar „nur“ ein Remis, aber das hört sich in der Theorie bekanntlich viel einfacher an, als es sich in der Praxis umsetzen lässt. Der Umstand, dass Chess960 gespielt wurde, trug sein Übriges dazu bei, dass nochmals Hochspannung aufkommen sollte.

IM Stefan Solonar

Würde man mich zwingen, die Partie der vierten Runde zu wählen, dann wäre es ausnahmsweise mal nicht eine aus Meisterhand, sondern die folgende. Da sie ganz zufällig von mir selbst gespielt wurde, verzichte ich mal auf ausschmückende Worte und lasse nur Varianten sprechen:

Ferdinand Niebling 2029 – Mike Rosa 2053
1. Frankfurter Chess960 SM (4), Bad Soden 2010 - SP 812

1.f4 f5 2.c3 c6

2...Ld5!? 3.Sg3 e6 4.e4 fxe4 5.Sxe4 e5 6.g3 exf4 7.gxf4 ist unklar.

3.Sg3 g6

3...Sg6!? 4.Sxf5 Lxf4 5.Sf3 e6 6.Se3 De7 ist unklar

4.Lc2 Sf7 5.d4?!

Besser ist 5.Lb3

5...Sf6 6.Sd3 d6!? 6...Sd6! 7.e3 a5 8.Se5 a4! 9.De2

9.Lxa4?! Ld5 -/+

9...Sde4 10.Sxe4 Sxe4 11.Lxe4 fxe4

7.Lb3 Dd7 8.De1 Se4!? 9.0–0–0 a5!? 9...Sh6 10.Lxg8 Sxg8 ist unklar.

10.Sxe4 fxe4 11.Sf2? Besser ist 11.Se5! dxe5 12.dxe5 Sd6!

12...De8 13.Le6+ Kc7 14.Ld7 Dd8

14...Dxd7? 15.Lb6+ +-

15.Lxc6 Kxc6 16.Txd8 Sxd8±

13.Lxg8 Txg8 14.exd6 exd6=

11.Sc5?! dxc5 12.dxc5 Df5 -/+

11...a4 12.Lc2

12.Lxf7? Lxf7 13.Sxe4 Lxa2-+

12...d5 13.e3 Sd6 14.De2 Le6 15.h3 Sb5!? 16.c4?

Besser ist 16.a3 Ld6!? 17.Lh2 0–0 18.g4 Lxa3 19.bxa3 Dd6 20.Lb1 Dxa3+

20...Sxc3 21.Db2 Sxd1 22.Sxd1 c5 23.f5 Dc6 -/+ 24.Le5 cxd4+ 25.Kd2 gxf5 26.gxf5 Txf5 27.Tg1+ Kf7 28.Dxd4 Tc8! 29.Sc3 Tf2+ 30.Ke1 Tf3 -/+

21.Db2 Dxc3+ 22.Dxc3 Sxc3 -/+

16...dxc4 17.Sxe4 17.a3 c3 18.Sxe4 Ld6! 19.Sc5

19.bxc3 Lxa3+ 20.Kd2 Lb2 -/+

19...Lxc5 20.dxc5 Dc7 -/+

17...a3! 18.Sc5

18.bxa3 Txa3 19.Sc5 Dd6 20.Lb1 b6 21.Sxe6 Dxe6 22.Dg4 Dxg4 23.hxg4 Ld6-+

18...axb2+ 19.Kxb2 Dd5! -+

19...Dd6!? 20.a4 b6! 21.axb5 bxc5 -/+

19...Dd8?! 20.Lb1 Da5 21.Tc1 -/+

19...c3+?! 20.Kc1 Dd6 21.Lb1 -/+

20.Lb1 c3+ 21.Kc1

21.Ka1 Lg8!-+

21.Kc2 Txa2+ -+

21...Ld6! 22.e4

22.Sxe6 La3+ 23.Kc2 Dxe6-+

22...Dc4 23.Dxc4

23.Ld3 Db4! 24.Sxe6 Da3+ 25.Kb1 c2+ 26.Dxc2 Sc3+ -+

23...Lxc4 24.Tf2 Txf4 25.e5 Txf2 26.Lxf2 Lxc5 27.dxc5 Lxa2 28.Lh4 Ld5 29.Lxe7 Ta1 0–1


Runde 5
Wie Kai aus der Kiste hatte Zuyev plötzlich die unverhoffte Chance, Chess960 Stadtmeister zu werden, und er dachte keinesfalls daran, seinem Gegner mit einem Remis den Titel zu schenken und sich selbst den zweiten Rang zu sichern. Er hatte Weiß und wollte alles! Doch dann wählte er im 13. und 14. Zug einen sehr ungewöhnlichen Plan, der nicht nur seinen Gegner Solonar glauben ließ, dass der Turm auf h3 nie wieder das Licht der Sonne sehen würde. In der Folge versteifte sich Solonar trotz Minusbauer jedoch so sehr auf seinen scheinbaren Positionsvorteil, das er zu fröhlich Figur um Figur tauschte, bis jeder nur noch einen Turm hatte. Im Glauben, nun glatt auf Gewinn zu stehen, übersah der Tabellenführer jedoch, wie einfach sich der eingesperrte Turm befreien und so seinem freien b-Bauer zur Umwandlung verhelfen konnte. Nach 58 Zügen musste Stefan Solonar die Waffen strecken und Igor Zuyev zu einem letztlich verdienten Turniersieg gratulieren. Immerhin blieb Ersterem nach Wertung noch der zweite Rang, doch das tröstete ihn in diesem Augenblick natürlich wenig.

FM Igor Zuyev

Dritter wurde Erik Zude, der in der Schlussrunde Mike Rosa niederringen konnte. Dennoch gewann Letzterer die erste Ratingklasse und wurde mit Rang 6 bester Nicht-Titelträger. Mangels Konkurrenz sicherte sich Alexander Kornilov den Jugendpreis, und Ferdinand Niebling wurde bester Senior. Die zweite Ratinggruppe entschied Thorsten Ostermeier für sich, die dritte gewann Thomas Meisegeier, der während des Turniers Vater eines gesunden Jungen namens Jonas wurde. Der Preis in Ratinggruppe Numero 4 wurde sichere Beute von Dr. Stephan Hartmann. Es folgt die entscheidende Partie der fünften Runde:

Igor Zuyev 2265 – Stefan Solonar 2199
1. Frankfurter Chess960 SM (5), Bad Soden 2010 - SP 187

1.Sab3 f5 2.f4 Sab6 3.Sd3 a5 4.Ta1 a4 5.Sa5 Sc4 6.Sxc4 Dxc4 7.b3 Da6 8.Sc5 Df6 9.d4 g6 10.e3 d6 11.Sxa4 Lb5 12.Tf3 Lc6 13.Th3 0–0 14.g3

Den eigenen Turm vor den eigenen Bauern so einzumauern, das muss man sich erstmal trauen! Erstaunlicherweise sehen selbst Schachprogramme hier nur einen relativ kleinen Vorteil für Schwarz. Vielleicht völlig zu Unrecht wähnte sich der Nachziehende jedoch in großem Vorteil und vergaß dabei förmlich, dass ihm ein Remis zum Turniersieg gereicht hätte. Doch vergessen wir nicht, Weiß hat einen Bauern mehr! 14...Lxh1 15.Dxh1 De6 16.Lf2 c5 17.Sc3 Sb6 18.a4 cxd4 19.exd4 Tfc8 20.Df3 Tc7 21.Sb5 Tc6 22.a5 Dd5 23.Dxd5+ Sxd5 24.c4 Sf6 25.d5 Se4 26.Ta2 Sxf2+ 27.Txf2 Ta6 28.Ta2 b6 29.Te2 Lf6 30.axb6 Ta1+ 31.Kc2 Txb6 32.Sc3 Ta3 33.Sb5

33...Ta1?! Warum denn so kompliziert?

33...Ta2+ 34.Kd3 Txe2 35.Kxe2 Ta6 und Weiß bekommt den Turm nur noch unter Rückgabe seines Mehrbauers ins Spiel. Doch nach 36.g4 fxg4 37.Td3 h5 -/+ sollte Schwarz mindestens das Remis in der Tasche haben.

34.Td2 Tba6 35.Sc3 Te1 36.Td3 Taa1 37.b4 Tac1+ 38.Kb3 Lxc3 39.Txc3 Txc3+? Noch immer im Glauben, der Turm auf h3 sei tot, übertreibt Schwarz das Getausche. 40.Kxc3 Te3+ 41.Kb2

Nun sieht es so aus, als würde Weiß glatt auf Gewinn stehen, denn der b-Bauer hat freie Bahn. 41...h5 Diesen Zug führte Solonar im Glauben aus, den weißen Turm endgültig kalt gestellt zu haben, doch der Schein trügt. 42.b5 e6 43.dxe6 Txe6 44.Ka3?!

Bereits jetzt konnte Weiß hervorragend 44.g4! fxg4 45.Td3! spielen, denn nach 45...h4 46.b6 g3 47.b7 Te8 folgt tödlich 48.Ta3!+- nebst Ta8. 48...g2 49.Ta8 g1D 50.Txe8+ +-

44...Te3+ 45.Kb4 Kf7

45...Te2 46.g4 hxg4 47.Td3 Kf7 48.Txd6 Txh2 49.c5 g3 50.Td3+- rettet Schwarz ebenfalls nicht mehr.

46.b6 Te8 47.Kb5 Te1 48.g4+- Nach über 30 Zügen auf dem Feld h3 greift der schlafende Riese doch noch entscheidend in die Partie ein. 48...Tb1+ 49.Kc6 fxg4 50.Ta3 h4 51.b7 Kf6 52.Kc7 Kf5 53.Ta5+ Kxf4 54.Tb5 Txb5 55.cxb5 g3 56.b8D

Schwarz gab auf, denn nach 56...gxh2 57.Df8+ Kg3 58.Df1 hat Weiß alles im Griff. 1–0


Die Sieger: IM Solonar (2.), FM Zuyev (1.) und IM Zude (3.)


Endstand 1. Frankfurter Chess960 Stadtmeisterschaft

Partien - PGN

Partien - CBV

Offizielle Turnierseite

Chess Tigers Training Center



Das B9
Gespielt wurde die 1. Frankfurter Chess960 Stadtmeisterschaft wie bereits erwähnt in dem neu eingerichteten Chess Tigers Training Center in Bad Soden am Taunus in der Brunnenstraße 9 – daher auch die Abkürzung „B9“. Hans-Walter Schmitt und IM Dr. Erik Zude haben in diesem Jahr die Chess Tigers Training Center GmbH gegründet und in unmittelbarer Nähe zu Frankfurt am Main eine Oase des Schachs geschaffen, in welcher trainiert, gespielt und Weltklasseturnieren zugeschaut wird. Regelmäßig finden im B9 Seminare mit Spitzentrainern wie beispielsweise Mark Dvoretsky, GM Artur Jussupow oder Endspiel-Guru GM Karsten Müller statt, die sich allesamt beeindruckt zeigten, mit welch modernen Methoden und Techniken dort Schach gelehrt wird. Und wann immer Sie auf dem Schachserver von ChessBase Live-Übertragungen von Deutschlands beliebtesten Kommentator GM Klaus Bischoff folgen, ist die Chance sehr hoch, dass er im B9 sitzt und von dort aus das deutsche Schachpublikum unterhält. Vom völligen Anfänger bis zum erfahrenen Turnierspieler ist jeder im B9 willkommen, der gerne Schach lernen, spielen oder einfach nur zuschauen möchte.

Das B9 im Herzen von Bad Soden am Taunus

Die fünfte Runde der 1. Frankfurter Chess960 Stadtmeisterschaft

Zu den Projekten des B9 zählt auch ein ausgefeiltes Schulschach-System, welches schon in den Grundschulen ansetzt und selbst den Jüngsten spielerisch, effektiv und nachhaltig das Spiel der Könige beibringt. Dabei setzen die Trainer das über Jahre geschaffene Trainingsmaterial der Chess Tigers Universität ein, mit welchem viele Vereine und Privatpersonen schon lange trainieren, weil es nicht nur praktisch als PDF herunterladbar ist, sondern auch alle Bereiche des Schachspiels komplett abdeckt. Selbst für Chess960 – um den Bogen zurück zum Thema zu spannen - wurden beispielsweise von Artur Jussupow, Klaus Bischoff und Erik Zude Lektionen verfasst, die dabei helfen, sich im Dschungel der 960 Startpositionen zumindest etwas zurecht zu finden.

Zum Abschluss möchte ich Sie noch auf zwei besondere Turnierserien im B9 hinweisen, die im kommenden Jahr stattfinden werden. Am 10. Januar startet das erste von zwölf Turnieren der 1. B9 Chess960 Rallye und zwei Tage später das erste Turnier der 1. B9 Classic Rallye. Alle weiteren Informationen entnehmen Sie den folgenden Ausschreibungen sowie der offiziellen Homepage www.chess-tigers.de.


Ausschreibung 1. B9 Chess960 Rallye

10. Januar bis 04. April 2011

Turniermodus 12 Turniere im Chess960; die 8 besten Ergebnisse werden gewertet und die jeweils erzielten Punkte für die Endabrechnung addiert;
7 Runden Schweizer System, Bedenkzeit: 10 Minuten plus 5 Sekunden
Spielort Chess Tigers Training Center, Brunnenstr. 9, 65812 Bad Soden
Angenehme und ruhige Atmosphäre am Rande der Altstadt!
Anfahrt Günstig erreichbar mit Auto (A66 - Abfahrt Main-Taunus-Zentrum oder RMV (S3 bis Bad Soden Bhf.), jede Menge kostenfreie Parkplätze bzw. RMV-Haltestelle in unmittelbarer Nähe des Spiellokals
Spieltage immer montags am 10.01., 17.01., 24.01., 31.01., 07.02., 14.02., 21.02., 28.02., 14.03., 21.03., 28.03. & 04.04.2011
Turnierbeginn jeweils um 19:00 Uhr; zum pünktlichen Start wird um Anwesenheit bis 18:45 Uhr gebeten
Geldpreise der gesamten Rallye
(in Euro)
Preisfonds 350,-
1. Preis 100,-; 2. Preis 60,-; 3. Preis 40,-; 4. Preis 25,-
Ratingpreise der gesamten Rallye
(in Euro)
5 Ratingklassen von 2100-1901; 1900-1701, 1700-1501, 1500-1301 und <1301 mit je 1. Platz 25,-
Startgeld
(in Euro)
3,- pro Turnier oder nur 20,- im Voraus für die komplette Rallye
Info/Anmeldung per Email an info@chess-tigers.de

Chess Tigers Training Center, 65812 Bad Soden, Brunnenstraße 9 (B9), Tel.: 06196-65 227 27

Turnierseite www.chess-tigers.de & CTTC Wochenpläne


Ausschreibung 1. B9 Classic Rallye

12. Januar bis 06. April 2011

Turniermodus 12 Turniere im traditionellen Schach; die 8 besten Ergebnisse werden gewertet und die jeweils erzielten Punkte für die Endabrechnung addiert;
7 Runden Schweizer System, Bedenkzeit: 10 Minuten plus 5 Sekunden
Spielort Chess Tigers Training Center, Brunnenstr. 9, 65812 Bad Soden
Angenehme und ruhige Atmosphäre am Rande der Altstadt!
Anfahrt Günstig erreichbar mit Auto (A66 - Abfahrt Main-Taunus-Zentrum oder RMV (S3 bis Bad Soden Bhf.), jede Menge kostenfreie Parkplätze bzw. RMV-Haltestelle in unmittelbarer Nähe des Spiellokals
Spieltage immer mittwochs am 12.01., 19.01., 26.01., 02.02., 09.02., 16.02., 23.02., 02.03., 16.03., 23.03., 30.03. & 06.04.2011
Turnierbeginn jeweils um 19:00 Uhr; zum pünktlichen Start wird um Anwesenheit bis 18:45 Uhr gebeten
Geldpreise
(in Euro)
Preisfonds 350,-
1. Preis 100,-; 2. Preis 60,-; 3. Preis 40,-; 4. Preis 25,-
Ratingpreise
(in Euro)
5 Ratingklassen von 2100-1901; 1900-1701, 1700-1501, 1500-1301 und <1301 mit je 1. Platz 25,-
Startgeld
(in Euro)
3,- pro Turnier oder nur 20,- im Voraus für die komplette Rallye
Info/Anmeldung per Email an info@chess-tigers.de

Chess Tigers Training Center, 65812 Bad Soden, Brunnenstraße 9 (B9), Tel.: 06196-65 227 27

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Mike Rosa

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   IU22 Schulkinderhaus GSS1 Schwalbach
   IU15 Geschwister-Scholl-Schule Schwalbach
   IU15 Französische Schule
   IU15 Europäische Schule Rhein-Main
   IU15 Europäische Schule Eurokids

INAKTIVE VEREINE
   SC 1979 Hattersheim
   Chess Kings / C4 Chess Club
   SV 1920 Hofheim
   Die SF Frankfurt 1921
   Schachfreunde Heidesheim 1956
   SV Fortschritt Oschatz
   SC Bad Nauheim
   SC Schalksmühle-Hülscheid 1959
   SV Post Memmingen
   FC Fasanerie-Nord
   SK Horb 1966
   Lübecker Schachverein von 1873
   SV Bannewitz
   Krefelder Schachklub Turm 1851
   TuS Brake 1896
   SC Röthenbach
   SV 1934 Ffm-Griesheim
   Vfl Gräfenhainichen
   Schachverein Ansfelden