12 Cover, 12 Geschichten: Das deutsche Schach-Superjahr im Rückblick

12 Cover, 12 Geschichten: Das deutsche Schach-Superjahr im Rückblick

Anhand der zwölf Titelseiten der Zeitschrift SCHACH werfen Jonny und Dirk „Poldi“ Poldauf einen Blick zurück auf ein historisches Jahr für das deutsche Schach. 

Niclas Huschenbeth: Als Sekundant abgewiesen, als Unternehmer erfolgreich Du liest 12 Cover, 12 Geschichten: Das deutsche Schach-Superjahr im Rückblick 4 Minuten

In der neuesten Folge des Schachtalk am Sonntag warfen die beiden Internationalen Meister Jonathan "Jonny" Carlstedt und Dirk "Poldi" Poldauf einen ausführlichen Blick zurück auf das Schachjahr 2025.

Sportliche Meilensteine: Das Jahr des Matthias Blübaum

Das Jahr 2025 markiert einen wichtigen Meilenstein im deutschen Spitzenschach, und ein Name taucht dabei immer wieder auf: Matthias Blübaum.

  • Der EM-Triumph: Blübaum sicherte sich den Titel des Europameisters, was nicht nur eine Titelseite füllte, sondern eine Welle der Begeisterung auslöste.

  • Das Ticket zum Thron: Der absolute Höhepunkt war jedoch seine Qualifikation für das Kandidatenturnier. Nach Jahrzehnten hat Deutschland damit wieder einen Spieler, der im engsten Kreis um das Recht kämpft, den Weltmeister herauszufordern. Poldi beschreibt den Weg dorthin als hochdramatisch, besonders das entscheidende Duell gegen Vincent Keymer, das Blübaum für sich entscheiden konnte.

Vincent Keymer: Kreativität und Konstanz

Auch für Vincent Keymer war es ein ereignisreiches Jahr. Besonders sein Sieg beim Freestyle Chess in Weißenhaus sorgte für Aufsehen, da er bewies, dass er zur Weltspitze gehört, wenn es auf reine Kreativität jenseits der Eröffnungstheorie ankommt. Zudem unterstrich er seine nationale Vormachtstellung durch den Gewinn der Deutschen Meisterschaft in München.

grenke Schachfestival: 

Ein weiteres Highlight des Jahres war das grenke Chess Festival, das mit über 3000 Teilnehmern und einem Freestyle-Turnier ein absolutes Spektakel bot. Magnus Carlsen erzielte dabei eine historische Leistung von 9 aus 9. Besonders das Nebeneinander von Breiten- und Spitzensport machte für Poldi den besonderen Reiz aus. 

Blick hinter die Kulissen: Zwischen Druckerei-Drama und Exklusivität

Im Laufe des Gesprächs wird deutlich, unter welchem Druck eine monatliche Fachzeitschrift heute steht. Poldi gab uns spannende Einblicke in die Arbeit der Chefredaktion:

  • Logistik am Limit: Die erste Ausgabe des Jahres (1/2025) war ein echtes „Druckerei-Drama“. Die Titelseite zum WM-Kampf „Ding gegen Gukesh“ musste abgegeben werden, bevor der Sieger feststand. Um dennoch aktuell zu sein, musste die Redaktion kurzfristig vier bis acht zusätzliche Seiten bei der Druckerei nachbestellen, die erst einen Tag später geliefert wurden. 

  • Die Jagd nach Exklusivität: Poldi betonte, dass er stets auf der Suche nach exklusiven Inhalten ist, die dem Leser einen echten Mehrwert bieten. In einer Zeit, in der Ergebnisse sofort online verfügbar sind, muss Print „einen anderen Dreh finden“. Für ihn bedeutet das: tiefgehende Analysen und Hintergrundgeschichten, die man nirgendwo sonst findet.

    Ein Ärenwechsel: Das Jahr stand auch im Zeichen des Abschieds von Raj Tischbierek, der das Heft über Jahrzehnte mit extremer Akribie und hohen Qualitätsstandards prägte.

Dramen, Legenden und Vielfalt

  • Die Svane-Tragödie: Frederik Svane erlebte ein Jahr der Extreme. Trotz EM-Silber durchlitt er in Biel ein echtes Drama, als er in extremer Zeitnot sicher geglaubte Gewinnstellungen (u.a. gegen Aravindh) noch aus der Hand gab.

  • Frauenschach: Ein besonderes Anliegen war die Sichtbarkeit von Frauen, gewürdigt durch Cover mit Claudia Kulon sowie Analysen von Elisabeth Pähtz.

  • Boris Spassky: Poldi bereicherte die Folge mit Anekdoten über die Legende Boris Spassky, den er als humorvollen Typen beschrieb, der keine Gelegenheit für eine Pointe ausließ. Spasski verstarb ebenso wie Robert Hübner und Vlastimil Hort. 

Ausblick 2026: Ein deutsches „Sommermärchen“?

Der Rückblick endet mit großer Vorfreude auf das kommende Jahr:

  1. Das Kandidatenturnier: Ganz Deutschland schaut auf Matthias Blübaum
  2. Die Schacholympiade: Mit Keymer, Blübaum und den Svane-Brüdern sieht Poldi Deutschland in einer so starken Position wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
  3. Bundesliga-Finale in Berlin: Für Fans gibt es ein spezielles VIP-Platin-Programm, um die Weltklasse hautnah zu erleben.

Fazit: 2025 war ein ereignisreiches Schachjahr, in dem der Schachsport weiter an Reichweite zulegte. Wie Poldi optimistisch feststellt: „Der Kuchen wird für alle größer“ – das Schachfieber hält an. 

 

Zum Schachtalk: 

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