In der neuesten Ausgabe des Schachtalks begrüßen wir das wohl erfolgreichste Ehepaar des deutschen Schachsports: Dinara und Dennis Wagner. In einer Mischung aus sportlicher Analyse und persönlichen Einblicken lieferten die beiden spannende Details zu den aktuellen Aufregern der Schachwelt und ihrem eigenen Alltag als Profis.
Aufregung in der Wüste: Magnus Carlsen im Fokus
Die Blitz- und Schnellschach-WM in Doha zeigte einmal mehr, dass Magnus Carlsen dem Rest der Welt überlegen ist. Doch der Norweger stand auch abseits der Bretter im Mittelpunkt.
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Der Uhren-Fauxpas: Magnus warf aus Versehen die Figuren seines Gegners um und drückte die Uhr bereits, bevor er diese wieder ordentlich aufgerichtet hatte. Jonny Carlstedt wertete das nicht als Unsportlichkeit, sondern als Folge der Hektik und der Emotionen.
- Zeitmanagement extrem: Carlsen kam - wie so häufig - zu spät ans Brett. Dinara Wagner nutzte diesen Aufhänger, um über ein Vorkommnis bei der Team-WM zu berichten, über das sie sich nach wie vor ärgert (zum Hintergrund).
- Emotionen pur: Auch das „Schubsen des Kameramanns“ wurde thematisiert, der Magnus nach seiner Niederlage gegen Artemiev zu nah auf die Pelle gerückt war.
Juristisches Matt? Kramnik gegen die FIDE
Ein weiteres großes Thema war Wladimir Kramnik, der eine Klage gegen die FIDE eingereicht hat, obwohl eigentlich sein eigenes Fehlverhalten im Fokus steht. Dennis Wagner bedauert, dass Kramnik sich mit seinen unbelegten Cheating-Vorwürfen seine eigene Legende zerstört.
Freestyle Chess & Bundesliga-Power
Gute Nachrichten gibt es für Fans innovativer Formate: Die Freestyle Chess-Serie (Schach960) in Weissenhaus soll fortgesetzt werden. Dennis sieht darin einen großen Mehrwert, da die Kreativität ab dem ersten Zug im Vordergrund steht. Sowohl er als auch Dinara hoffen auf eine Fortsetzung beim grenke Chess Festival in diesem Frühjahr.
In der Bundesliga läuft es für Dennis' und Dinaras Verein, den SC Viernheim, derzeit hervorragend – man grüßt von der Tabellenspitze. Auch die Vorfreude auf die Sparkassen Chess Trophy in Dortmund ist groß: Dinara wird im Frauen-Einladungsturnier wieder mit von der Partie sein.
Das Team hinter den Stars: Dennis als Sekundant?
Ein spannender Punkt war die Frage nach der Unterstützung für Matthias Blübaum. Auf die Frage, ob Dennis als Sekundant in Blübaums Team für das Kandidatenturnier fungiert, blieb er bescheiden: Sie seien sehr eng befreundet und tauschen sich ständig über Schach aus, aber ob er offiziell im Sekundantenteam sei, könne und dürfe er aktuell nicht beantworten.
Erfolg im Doppelpack: Das German Masters 2023
Ein historischer Moment für das Ehepaar war der gleichzeitige Sieg beim German Masters 2023. Dass beide Titel in einer Familie landen, ist eine Seltenheit.
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Rivalität mit Elisabeth Pähtz: Dinara sprach offen über das „Prestige-Duell“ mit der deutschen Nummer eins. Aus ihrer Sicht verstehen sich die beiden sehr gut, so dass sie Pähtz gar nicht als Rivalin ansehe. Ob Pähtz nach ihrer Schwangerschaft wieder aktiv ins Spitzenschach zurückkehren wird, wisse sie derzeit nicht.
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Erfolgsgeheimnis getrennte Zimmer: Warum haben die beiden bei Turnieren oft getrennte Hotelzimmer? Dinara erklärte, dass sie Ruhe und ihren eigenen Rhythmus braucht, um sich optimal vorzubereiten. Jonny bezeichnete das schlicht als professionell.
Blick zurück: Die Prinzengruppe
Dennis erinnerte sich an seine Zeit in der „Prinzengruppe“ (u.a. mit Blübaum, Svane und Donchenko). Das Modell war extrem erfolgreich, weil eine Gruppe von gleich starken Jugendlichen gemeinsam trainierte und sich gegenseitig pushte. Warum dieses Erfolgsmodell nicht neu aufgelegt wurde, ist eine Frage, die sich alle Teilnehmer stellen, aber nicht beantworten konnten.
Ausblick
Nächste Woche geht es hochkarätig weiter: Wir freuen uns auf den Gast Niklas Schenk, der u.a. von seinen Kontakten mit der Familie Keymer und mit Wladimir Kramnik berichten wird.
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