In einer neuen Sonderausgabe des Schachtalk ist Felix Beck zu Gast bei Michael Busse. Der Gymnasiallehrer für Mathematik, Physik und Sport ist leidenschaftlicher Schachspieler und hat mit ChessRiddle ein neues Trainingswerkzeug entwickelt, das einen anderen Ansatz verfolgt als viele bekannte Taktik-Plattformen.
Im Gespräch erklärt Beck, wie die Idee entstand und warum er glaubt, dass viele Schachspieler zwar regelmäßig Taktikaufgaben lösen, ihre Berechnungsfähigkeiten dadurch aber oft nur begrenzt verbessern.
Das Problem klassischer Taktiktrainer
Wer auf lichess, chess.com oder anderen Plattformen trainiert, kennt das Prinzip: Man zieht einen Zug, erhält sofort eine Rückmeldung und reagiert anschließend auf die Antwort des Computers.
Für Felix Beck unterscheidet sich das jedoch grundlegend von einer echten Turnierpartie. Dort kann man keinen Zug ausprobieren und anschließend korrigieren. Stattdessen muss die gesamte Variante bereits vor dem ersten Zug im Kopf berechnet werden.
Genau diese Fähigkeit möchte ChessRiddle trainieren.

Chessriddle-Logo
Das Brett bleibt stehen
Das Herzstück von ChessRiddle ist deshalb denkbar einfach: Das Brett verändert sich während der Lösung nicht.
Der Spieler berechnet die Variante vollständig im Kopf und gibt anschließend sowohl seine eigenen Züge als auch die erwarteten gegnerischen Antworten in einen Variantenbaum ein. Erst danach überprüft die Engine, ob die Berechnung korrekt war.
Dadurch wird das typische „Trial and Error“-Verhalten vieler Taktiktrainer vermieden. Stattdessen stehen Visualisierung und präzises Variantenrechnen im Mittelpunkt.
Mehr als nur Taktik
Im Interview stellt Beck auch weitere Trainingsformen vor, die ChessRiddle von vielen anderen Angeboten unterscheiden.
Dazu gehören unter anderem:
- Visualisierungsübungen mit vorgestellten Vorzügen
- Aufgaben auf einem komplett leeren Brett
- Eröffnungsaufgaben mit typischen Fehlerbildern
- ein Modus, bei dem zunächst entschieden werden muss, ob eine Stellung überhaupt taktisch ist
Gerade dieser letzte Punkt gefällt Beck besonders gut. In einer echten Partie verrät schließlich niemand, ob gerade eine Kombination in der Stellung steckt oder ob stattdessen ein ruhiger positioneller Zug gefragt ist.
Von der Idee zur fertigen Plattform
Beeindruckend ist auch die Entstehungsgeschichte. ChessRiddle wurde neben Becks Tätigkeit als Lehrer entwickelt. Moderne KI-Werkzeuge halfen dabei, die Plattform innerhalb weniger Monate aufzubauen. Unterstützung erhielt er zudem von seinem Bruder, der als professioneller App-Entwickler arbeitet.
Aktuell ist ChessRiddle bereits als Web-Anwendung verfügbar. Apps für Android und iOS sollen in Kürze folgen.
Fazit
ChessRiddle richtet sich an Schachspieler, die ihr Training näher an die Realität einer Turnierpartie bringen möchten. Statt nur Motive wiederzuerkennen, geht es darum, Varianten sauber zu berechnen, Stellungen zu visualisieren und Entscheidungen bewusst zu treffen.
Im Gespräch mit Michael Busse wird deutlich, dass hinter ChessRiddle nicht einfach ein weiterer Taktiktrainer steckt, sondern ein durchdachtes Trainingskonzept, das vor allem die Denkprozesse fördern soll, die am Brett tatsächlich entscheidend sind.
Das vollständige Interview mit Felix Beck gibt es im Video auf dem YouTube-Kanal der Chess Tigers:
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