Der Deutscher Schachbund baut das DWZ-Wertungssystem grundlegend um: Mit dem neuen Wertungsportal tritt voraussichtlich ab Juli 2026 eine vollständig überarbeitete Wertungsordnung in Kraft. Für viele Spieler dürfte das spürbare Auswirkungen haben – vor allem im unteren und mittleren DWZ-Bereich.
Beschlossen wurde die neue Ordnung von der Kommission für Wertungen des DSB.
Einführung ab Juli 2026 geplant
Nach derzeitiger Planung soll das neue Wertungsportal am 1. Juli 2026 starten. Mit ihm tritt auch die neue Wertungsordnung in Kraft. Wegen der Umstellung auf eine neue Auswertungssoftware kann sich die Veröffentlichung der neuen DWZ-Zahlen allerdings noch einige Wochen verzögern.
Mindest-DWZ künftig bei 1100
Die wohl auffälligste Änderung betrifft die unteren Wertungsbereiche. Künftig gilt:
„Ist hiernach Rn < 1100, so wird Rn auf 1100 gesetzt.“
Auch neue Spieler erhalten künftig mindestens eine DWZ von 1100.
Große Anhebung für bestehende DWZ
Besonders spannend ist der neue Anhang 4 der Wertungsordnung. Dort wird die geplante einmalige DWZ-Umstellung erstmals konkret beschrieben.
Die neue Formel lautet:
- bis 1000 DWZ: +400 Punkte
- zwischen 1000 und 2110 DWZ: lineare Anpassung
- oberhalb von 2110 DWZ: keine Änderung
Die Reform betrifft damit nicht nur neue Spieler, sondern auch bestehende Wertungszahlen.
Einige Beispiele:
| Alte DWZ | Neue DWZ |
|---|---|
| 800 | 1200 |
| 1000 | 1400 |
| 1200 | 1528 |
| 1500 | 1720 |
| 1800 | 1912 |
| 2000 | 2040 |
| 2110 | 2110 |
| 2300 | 2300 |
Besonders Spieler im unteren und mittleren Bereich profitieren also deutlich. Oberhalb von 2110 DWZ soll es dagegen keine automatische Anhebung mehr geben.
DWZ und Elo sollen wieder besser zusammenpassen
Die Reform erinnert stark an die große Elo-Anhebung der FIDE aus dem Jahr 2024. Der DSB begründet die Neuregelung unter anderem damit, dass DWZ und internationale Elozahlen auseinander gedriftet sind.
Vor allem im unteren Bereich galten viele Spieler als deutlich unterbewertet. Künftig sollen DWZ und FIDE-Elo wieder auf ähnlichem Niveau liegen.

TOP 10 DWZ-Liste, Quelle: DSB
Der K-Faktor bleibt – wird aber komplett neu berechnet
Der sogenannte Entwicklungsfaktor K ist nicht neu. Auch bisher gab es bereits einen K-Faktor im DWZ-System. Allerdings wurde dieser bislang indirekt über die Formel
K = 800 / (E + n)
berechnet, also unter anderem abhängig von der Anzahl der gespielten Partien eines Turniers.
Genau das wird nun abgeschafft.
Künftig wird der K-Wert direkt definiert und hängt vor allem von Alter, DWZ-Bereich und Erfahrungsgrad (Index) ab.
Das verändert das Verhalten der DWZ deutlich. Früher konnten wenige Partien riesige Ausschläge erzeugen, während lange Turniere einzelne Ergebnisse eher „verdünnten“. Gleichzeitig waren niedrige DWZ oft extrem dynamisch, hohe DWZ dagegen vergleichsweise stabil.
Künftig soll jede Partie gleichmäßiger wirken. Jugendspieler bleiben zwar weiterhin sehr dynamisch, starke Spieler werden aber weniger stark „geschützt“. Insgesamt nähert sich das System stärker modernen Elo-Modellen an.
Besonders auffällig: Jugendliche erhalten weiterhin sehr hohe K-Werte – teilweise bis zu 60. Dadurch reagieren die Wertungszahlen deutlich schneller auf gute oder schlechte Turniere. Talentierte Nachwuchsspieler können wesentlich schneller steigen als bisher.
Anfänger werden bewusst höher eingestuft
Ein weiterer zentraler Punkt der Reform betrifft neue Spieler ohne bisherige DWZ.
Die neue Wertungsordnung sieht ausdrücklich vor, dass Erstwertungen angehoben werden sollen:
„… um Unterbewertungen zu vermeiden.“
Damit reagiert der DSB auf ein langjähriges Problem: Viele neue Spieler waren bisher deutlich zu niedrig eingestuft. Das führte häufig zu verzerrten Turnierergebnissen und unrealistischen Gewinnerwartungen.
Der DSB will die DWZ künftig aktiv „steuern“
Besonders interessant ist auch ein anderer Abschnitt der neuen Ordnung. Dort heißt es:
„… damit die Wertungskommission … bei zukünftigen Fehlentwicklungen der DWZ-Verteilung … steuernd eingreifen kann.“
Der DSB macht damit deutlich, dass die DWZ-Verteilung künftig aktiv überwacht und gegebenenfalls angepasst werden soll.
Datenschutz: Nicht-Mitglieder verschwinden aus der Datenbank
Auch die DSGVO spielt eine wichtige Rolle in der Reform.
Spieler ohne Mitgliedschaft im DSB werden künftig nur noch als sogenannte „textuelle Teilnehmer“ geführt. Ihre Daten und Historien werden nicht dauerhaft gespeichert.
Für ehemalige Mitglieder gilt eine Vorhaltefrist von fünf Jahren. Danach werden auch diese Daten anonymisiert.
Eine neue Ära für die DWZ
Die Reform ist deutlich mehr als nur eine kleine Anpassung. Der DSB schafft faktisch ein neues DWZ-System.
Viele bisherige Vergleiche werden dadurch schwieriger:
Eine DWZ von 1500 im Jahr 2020 wird künftig nicht mehr dieselbe Aussagekraft haben wie eine DWZ von 1500 im Jahr 2027.
Für die meisten Vereinsspieler dürfte die Reform aber zunächst positiv wirken:
- höhere Zahlen,
- realistischere Einstufungen,
- schnellere Entwicklung bei Jugendlichen,
- bessere Vergleichbarkeit mit Elozahlen.
Spätestens mit der Einführung des neuen Wertungsportals beginnt damit wohl tatsächlich eine Art „DWZ 2.0“.
Hintergründe: Neue Wertungsordnung tritt mit Einführung des Wertungsportals demnächst in Kraft - Deutscher Schachbund
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