Chess Classic Der menschliche Faktor im Computerschach Rybka und Naum setzen sich nach sechs Runden an die Spitze
31.07.2008 - Gestern begann ein weiterer Höhepunkt der Chess Classic 2008: die vierte Livingston Chess960 Computer World Championship mit den vier stärksten Chess960-Engines der Welt: neben dem amtierenden Champion Rybka und Shredder, dem erfolgreichsten Programm in der Geschichte der Schachcomputer, spielten auch die Programme Naum und Deep Sjeng, die sich bei einem Turnier im ICC qualifiziert hatten. Diese vier Programme liegen im Moment auch auf den Plätzen Eins bis Vier der Chess960 Computerweltrangliste. Nach dem ersten Tag führen Rybka und Naum das Feld mit 3.5/6 an, Shredder folgt mit 3/6, während Deep Sjeng 2/6 erzielte. Donnerstag wird ein weiteres Rundenturnier gespielt und die beiden bestplatzierten Programme spielen dann am Freitag das Finale.
Alle Programmierer spielen auf den gleichen Maschinen mit Quadcore- Prozessoren, aber nach einem Test der Maschinen und der Programminstallation waren die Spieler mit der Prozessorengeschwindigkeit unzufrieden. Nach der ersten Runde wussten die Spieler erst einmal nicht weiter und diskutierten, wie sie ihre Engines schneller machen könnten. Wieder und wieder maßen sie die Schnelligkeit ihrer Programme auf anderen PCs. Zum Glück fand Felix Kling, Webmaster der Rybka-Website einen Bugfix, installierte ihn auf allen vier PCs und plötzlich liefen die Computer schneller und rechneten mehr Züge pro Sekunde.
GM Vlastimil Hort und GM Klaus Bischoff beim Auswürfeln der Startposition
Los geht's! 1.b3!
Hans-Walter Schmitt hat alles in der Hand
Ist der Fehler wirklich behoben?
In den ersten drei Runden gab es nur Weißsiege (sechs in Folge), aber Rybka durchbrach diese Serie in der siebten Runde mit einem hübschen Sieg gegen Deep Sjeng und gewann dadurch ihr Mini-Match schließlich 2-0. Aber in den zwei Partien gegen Naum, das von Aleksandar Naumov entwickelt wurde, verlor sie (Rybka ist weiblich!) 1.5-0.5. In der letzten Partie des spannenden ersten Tages machte Vasik Raijlich einen Bedienerfehler: er führte auf dem DGT-Brett nicht den Zug aus, den das Programm vorgeschlagen hatte. Der menschliche Faktor im Computerschach sollte nicht unterschätzt werden! Die Spieler bemerkten den Fehler erst ein paar Züge später. Pause wurde gemacht, die Uhr neu eingestellt, danach die Partie rekonstruiert, die dann nach einer kurzen Pause weiter ging, wobei beide Programm allerdings nur noch eine Minute Bedenkzeit auf der Uhr hatten. Es gab gewisse Schwierigkeiten, die Uhr korrekt einzustellen, aber am Ende gelang es Naum, seinen Vorteil nach 130 Zügen in einen ganzen Punkt zu verwandeln. “Bringt mich ins Krankenhaus, das war so irre“, sagte ein erschöpfter Aleksandar Naumov gleich nachdem sein Gegner aufgegeben hatte. Die Partie war schon etliche Minuten vorüber, da zitterte er immer noch wie Espenlaub und seine Hände waren eiskalt. Die Zuschauer waren aufgeregt und applaudierten nach diesem spannenden Kampf zweier großartiger Schachprogramme.
Hochspannung bei der aufregenden Partie zwischen Naum und Rybka (1)
Hochspannung bei der aufregenden Partie zwischen Naum und Rybka (2)